Bienes Putz Blog
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Einmal so richtig auf die Kacke hauen!

Es ist Sonntag, der erste Frühlingstag des Jahres. Die Forsythien blühen auf und ich auch. Puh, der lange, miesepetrige Winter ist endlich besiegt und die Sonne wärmt die wintergraue Haut.

Wohnmobiltür auf. Kinder raus. Wir sind in Freiburg. Warum? Weil mein Mann einen Halbmarathon läuft. Die Strecke ist relativ eben. Genau das richtige für Anfänger, Freizeitläufer und Wenigtrainierer. So wie er.

Die Strecke führt direkt an unserem Campingplatz vorbei, sogar direkt am Wohnmobil selbst. Bombig. Aber was mache ich fünf Stunden, mit einem Fünfjährigen und einer 9-Monate alten Hummel, die die Welt für sich entdeckt hat und ständig auf Achse sein will. Schneller schafft’s der Papa leider nicht.

Genau: Ab zum nächsten Spielplatz. Allein der Weg dahin ist bereits ein Abenteuerparkur. Unter Absperrbändern durch, drüber hinweg, an Ordnern vorbeischleichen – Lara Croft ist eine Anfängerin gegen mich – die hat ja nur sich selbst zu verstecken. Ich dagegen jongliere nicht nur mich, sondern zusätzlich einen Halbwüchsigen mit Roller und eine kleine Maus mit Kinderwagen durch einen Hochsicherheitstrakt. Gekonnt ist einfach gekonnt.

Ganz Freiburg scheint aus rotweißen Absperrbändern zu bestehen, von oben betrachtet sicher ein riesiges Spinnennetz.

Einmal am Kinderspielplatz angelangt, atme ich tief durch. Wir haben’s geschafft: Ein warmer Wind streichelt unsere Haut. Und meine Seele. Die Kinder sitzen glücklich und entspannt in der Korbschaukel. Ein Fluss rauscht im Hintergrund. Die Bäume blühen. Es ist idyllisch.

Entspannt stelle ich fest, dass die Strecke sogar direkt an uns vorbeiführt. Ich setze mich auf die Bank, packe meine Sonnenbrille aus und lehne mich zurück. Mein Baby krabbelt jetzt auf der Wiese und mein Großer erklimmt ein Klettergerüst.

Keiner müde, keiner muss auf Toilette, keiner hat Hunger. Und Papa ist beschäftigt. Kurz zusammengefasst: Herrlich!!!

Plötzlich reißt mich ein fieser Geruch aus meiner Trance. „Was zum Teufel ist das“, denke ich mir und versuche den Gestank auszublenden und mich wieder auf die Vitamin-D-Aufnahme zu konzentrieren. Wer zwei Kinder hat, kann „Ausblenden“ bravourös. Ist nicht in die Wiege gelegt, lernt man aber im Laufe der Zeit.

Der Geruch jedoch wird immer penetranter. Ich schiele zu meinem Baby. Nein, so stinkt keine volle Windel. Babybrei und Säuglingsmilch, ne, das gibt keine so explosive Mischung. Zur Sicherheit schnuppere ich doch mal an der Hose. Es riecht nach Rosen!

Ich schiele zu meinem Großen. Der hat einen Stein rangeschleppt und pult dran rum. Fängt an zu Kneten. Haut drauf. Scheint auch alles gut zu sein. Ich schließe die Augen wieder. Dann reiße ich sie auf.

Nein, es ist nichts gut. Die Knete ist keine Knete und Matsch ist es auch nicht. Es ist was es ist und es stinkt bestialisch. Ich schnappe meine kleine Maus setze sie in den Kinderwagen, um freie Bahn für Sohnemann zu haben. Mein Gehirn arbeitet auf Vollbetrieb.

„Was zum Teufel machst du da?!“ Ich bin entsetzt und kurz vor der Schnappatmung. Keine gute Idee bei dem Gestank. Tief durchatmen … Lass ich auch lieber bleiben. Mein Adrenalinspiegel schießt in die Höhe.

„Lass das sofort liegen. Weißt du, was das ist! Das ist Scheiße. Das ist nicht Scheiße, weil du das machst, sondern das ist wirklich welche. Riechst du das nicht? Das stinkt widerlich. Das musst du doch merken.“

Nein, er merkte das nicht. Jetzt schon. Er fängt an zu weinen und zu schreien. Und versucht den Dreck so schnell wie möglich von den Händen zu bekommen. Nicht ans T-Shirt. Nicht ans T-Shirt. Mein Mantra kommt zu spät. Es ist am T-Shirt.

Die Sache scheint zu eskalieren. Schnell fasse ich in die Kinderwagentasche. Wo sind nur die verdammten Feuchttücher, wenn man sie mal braucht? Keine Ahnung, hier jedenfalls nicht. Dafür fällt mir die Euterpflege in die Hände und Salz vom Ostereieressen letzte Woche.

Mein Hochleistungshirn spukt ein Rezept aus. Wie war das bei Fight Club?

We were selling rich women their own fat asses back to them.“

Fett ist der Hauptbestandteil der Fight Club Seife. Dann her mit der Euterpflege. Salz rein. Kann fürs Peeling ja nicht schlecht sein. Und dann kräftig rubbeln.

Die Hände im Flusswasser abgewaschen. Nach drei Minuten waren sie blank. Ein bisschen von Papas HAKA Sportfit gegen den Geruch. Die Gefahrenwarnung wurde rückgestuft. T-Shirt aus und Mamas Jacke an. Der Heimweg kann angetreten werden.

Diesmal lasse ich Tomb Raider so richtig alt aussehen. Wir schlängeln uns nicht nur durchs Spinnennetz, sondern auch durch die Läufer hindurch. Ab zum Campingplatz. Jetzt aber noch mal richtig Händewaschen. Mit Neutralseife Citrus und dabei „Happy Birthday“ singend. Warum „Happy Birthday“? Weil das Lied genauso lang ist, wie es an Zeit dauert, bis die Hände wirklich rein gewaschen sind. Bakterien- und Keimrein.

Sohnemann zeigt sich kooperativ. Er singt das Lied gleich nochmal und schrubbt seine Händchen. Weil die Neutralseife so gut riecht. Ein braver Kerl. Der Herr vor den Sanitäranlagen sieht mich ganz verwundert an.

„Ihr Sohn ist aber gut erzogen. Hände waschen vor dem Mittagessen. Selbst auf dem Campingplatz!“ Ja! Und Fingernägelschneiden auch noch. Machen wir immer so …

Wir sind im Stress, Papa kommt gleich vorbei gejoggt, die Nudeln kochen auf dem Herd. Wir winken und feuern an. Während Papa weiter schwitzt, genießen wir unsere Nudeln. Und weil der Junior nach dem Schock am Morgen so kooperativ war, gibt’s jetzt noch ein Eis. Ab zur Eisdiele.

„Ja, heute darfste gerne Schokolade. Sogar zwei Kugeln.“

Nach insgesamt fünf Stunden kommt Papa zurück. Durchgeschwitzt, abgekämpft und selig.

„Na, ward ihr Eisessen? Man siehts an deinem T-Shirt, Sohnemann! Ist ganz braun.“

„Ja, Papa das auch! Zwei Kugeln. Und wir haben heute mal so richtig auf die Kacke gehauen, als du nicht da warst!“

Ich lass es so stehen.

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